Ein Spital aus Holz? Ungewöhnlich, aber Benjamin Kaiser ist überzeugt, dass die Patientinnen und Patienten davon profitieren. Denn naturbelassenes Mondholz, sagt der Projektleiter Holzbau, habe besondere Eigenschaften, die es zum perfekten Baustoff und Fassadenmaterial für ein Spital machen.
Spital und Holz, wie passt das zusammen?
Benjamin Kaiser: Ich glaube, das passt perfekt zusammen. Zwar bin ich als gelernter Zimmerer, Zimmerermeister und Bautechniker ein medizinischer Laie. Aber ich weiss, wie sehr die natürlichen Eigenschaften von Holz auf das Wohlbefinden von uns Menschen wirken. Holz ist kein Placebo, sondern hat reale gesundheitliche Wirkungen, die wir, wenn wir krank sind und im Spital liegen, umso nötiger haben. Holz ist ein natürlicher, lebendiger und warmer Baustoff. Eigentlich logisch, dass Patientenzimmer aus massivem Holz gebaut sein sollten, am besten aus natürlich getrocknetem, unbehandeltem Mondholz.
Bilder: Module der Holzfassade kurz vor der Auslieferung an die Klinik Arlesheim, Quelle: Stamm Bau AG, Arlesheim
Warum Mondholz?
Mondholz wird im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen. Es ist dichter als herkömmliches Holz, widerstandfähiger gegen Keime und aufgrund seiner besonderen Pilzresistenz auch langlebiger. Das hat natürlich positive Auswirkungen auf das Raumklima. Annährend alles Holz, das im Neubau der Klinik Arlesheim verbaut ist, ist Mondholz.
Mondholz kommt auch in der Fassade zum Einsatz. Was ist das Besondere an dieser Holzfassade?
Sie ist ein Blickfang, und ich meine das wörtlich. Moderne Holzfassaden in der Grössenordnung des Neubaus der Klinik Arlesheim sind ein seltener Anblick. Der Aussenblick wird unwillkürlich eingefangen und hinaufgezogen zum Geschoss mit den Patientenzimmern, wo die Fassade geradezu in Bewegung gerät, mit all den Bögen und Rundungen und den auskragenden und zurückfallenden Partien, die eine Tiefenwirkung erzeugen. Auf diese Weise entsteht ein lebendiger Eindruck, auch ein Gefühl von spielerischem Ausgleich von Polaritäten. So gesehen ist die Holzfassade eine perfekte, stimmige Visitenkarte. Sie lässt aussen anklingen, was man im Innern des Spitalgebäudes authentisch erfahren kann: Stabilität und Anregung, Geborgenheit und Inspiration.
Aber diese äussere Visitenkarte wird sich im Laufe der Zeit verändern?
Ja, mit den Jahren werden Auswaschungen und die UV-Strahlung der Sonne die unbehandelte Holzfassade irreversibel verändern. Diese natürlichen Verwitterungsprozesse betreffen aber nur die Farbe. Sie verleihen der Fassade eine Patina in unterschiedlichen Grautönen. Von der farblichen Veränderung abgesehen, bleibt das Holz aber in seiner Substanz so strapazierfähig wie am ersten Tag. Die Holzfassade unterliegt nur einem äusserlichen Alterungsprozess, vergleichbar der Hautalterung bei einem Menschen, der ansonsten kerngesund sein kann. Letzten Endes veranschaulichen die sichtbaren Verwitterungsprozesse der Aussenhülle, dass das Spital wie wir Menschen lebt und uns in der Zeit begleitet.
Was fasziniert Sie am Holzbau, ganz allgemein?
Holzbau ist mein Leben. Der Holzbau ist ein stark naturverbundenes Fach und überrascht mich immer wieder mit den vielen Eigenschaften, Formen und Anwendungen von Holz. Die aktuellen Innovationen im Bereich Holzbau sind beeindruckend. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht neue Erkenntnisse und Möglichkeiten den Holzbau voranbringen.
Zur Person
Benjamin Kaiser hat sein ganzes Berufsleben dem Baustoff Holz gewidmet. Der erfahrene Zimmerermeister und Bautechniker arbeitet seit 2011 bei der Stamm Bau AG. Als Projektleiter Holzbau ist er für die Qualität, die Termine und die Kosten aller Holzbauarbeiten am Neubau der Klinik Arlesheim verantwortlich.